Lyrisches

Drei Worte

April 25, 2017

Drei Worte sind es nur, die irgendwie jeder schon mal gesagt hat – außer ich. Gut, ich bin auch erst 16 und vermutlich ist es gut dass ich sie noch nicht in den Mund genommen habe. Aber ich bin vorsichtig mit ersten Malen. Ich spar sie mir auf wie andere ihr sündhaft teures Lieblingsparfüm. Vielleicht mach ich das weil ein erstes Mal so besonders ist, weil man sich immer daran erinnern wird. Weil das die Geschichten und Anekdoten sind die ich später mal meinen hoffentlich existierenden Enkelkindern erzählen werde, also die, die besonders gut und unvergesslich sein sollen. Oder aber ich hab Angst. Angst vor dem was da auf mich zukommt, weil es eben die Dinge sind die ich nicht vorausplanen kann. Und wer mich kennt weiß, dass es für mich nichts schlimmeres wie Ungewissheit gibt.

Aber bei diesen 3 Wörtern, diesen ganz besonderen Wörtern ist es noch schlimmer. Weil es nicht nur eine Erfahrung wie das erste Mal Cabrio Fahren ist, sondern weil es etwas ist, was jemand anderen betrifft. Nicht nur Irgendjemanden, sondern genau dich. Ich bin 16 und mein größtes Problem ist seit ich klein bin, die Frage danach wie sich Liebe anfühlt. Ob ich sie erkennen werde wenn sie da ist, ob ich Schmetterlinge im Bauch oder weiche Knie haben werde. Ich bin nämlich skeptisch. Was alles anbelangt, sei es beim Kennenlernen neuer Menschen oder eben bei der Liebe. Ich habe 1.000 Romane, dutzende Filme und noch viel mehr Erzählungen über die Liebe gehört. Wie sie sich anfühlen soll, diese Empfindung – oder, was ist Liebe überhaupt? Ein Gefühl, eine Emotion, eine Beziehung oder ein Zustand? Mir ist das zu unergründet, zu willkürlich. Wie soll ich wissen wann es soweit ist? Soweit, dass ich ohne Bedenken diese 3 Worte sagen kann, dass es ein erstes Mal voller Ehrlichkeit und Vertrauen wird? Ich fragte mich das viele Male, ohne eine Antwort darauf zu bekommen.

Doch jetzt lieg ich hier, neben dir, und weiß sie alle, die Antworten. All die Antworten auf meine vielen Fragen, die doch allesamt so unnötig waren. Ich lieg neben dir und mir ist alles klar. Weißt du, ich hab keine Ahnung was Liebe ist, aber das was ich fühle wenn ich dich ansehe fühlt sich verdammt danach an. Und trotzdem kommt kein Wort über meine Lippen. Ich würde behaupten ich bin geschickt im Umgang mit Worten, ich mag es, ihnen Bedeutung beizumessen, mit ihnen zu spielen und etwas auszudrücken. Aber ich lieg neben dir und bekomm kein Wort heraus und ich wusste nicht dass ein Herz tatsächlich schwer werden kann. Meine Lippen fühlen sich an wie Blei, obwohl ich doch weiß was ich fühl, was ich sagen will. Ich will’s dir ins Gesicht schreien, dir ins Ohr flüstern und eine Rundmail an die gesamte Bevölkerung schicken. Aber heraus bring ich sie nicht – die drei Worte. Ich weiß dass das Zeit braucht, sowas zu sagen, den Mut zu finden sich herzugeben. Innen drin weiß ich’s aber schon – die drei Worte.

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  1. Ich glaube, ich hab noch nie einen so schönen Text über diese drei Worte gehört. ♥ Schöner hätte man es nicht ausdrücken können. Gänsehaut.

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