Verhütung

Erfahrungen mit dem Kupferball und der Weg zu NFP

Mein Artikel über meine Skepsis bezüglich der Pille ist bereits über ein Jahr alt und ich habe in letzter Zeit besonders auf Instagram einige Fragen zu meiner aktuellen Verhütung bekommen. Zwei Dinge vorweg: ich bin kein Arzt! Alles was ich euch hier nenne ist Halbwissen, selbst recherchiert oder von meiner Frauenärztin gesagt bekommen. Verlasst euch niemals auf eine Quelle und informiert euch immer noch selbst und bei eurem Arzt! Zweitens: als ich mich letztes Jahr über meine ersten Erfahrungen mit dem Kupferball geäußert habe, wurde viel hinter meinem Rücken über mich gesprochen. Falls du mich also persönlich kennst: Verhütung ist etwas alltägliches und sollte kein Tabuthema sein. Ich hätte mir damals mehr Informationen im Internet gewünscht, weswegen ich meinen Weg hier mit euch teile.

Wieso die Pille nicht mehr das Richtige für mich ist

Die ausführlichen Gründe findet ihr bereits in meinem oben verlinkten Blogpost. Ich habe die Pille circa 3 Jahre mit vielen Unterbrechungen genommen. Besonders das letzte halbe Jahr wurde es immer unerträglicher für mich, da ich besonders an sexueller Unlust litt. Zudem fühlte ich mich nicht mehr wie ich selbst und fast etwas wie “betäubt”. Manche Emotionen waren viel unterdrückter als ich es eigentlich von mir gewohnt war. Mein erster Weg war der ins Internet, ich recherchierte und fand viele Leidensgenossinnen. Innerhalb dieser Recherche wünschte ich mir auch mehr und mehr meinen natürlichen Zyklus zurück, da ich spürte dass die Entzugsblutung während der Pille (sie ist nicht mit der normalen Regel zu vergleichen) meinem Körper nicht gut tat. Es sprachen also immer mehr Aspekte für mich persönlich gegen die Pille.

Meine zweite Anlaufstelle war meine Frauenärztin. Dort erwartete ich mir mehr Informationen über Alternativen. Doch das war nicht der Fall. Stattdessen wurde ich nicht ernstgenommen, mir wurde gesagt die Pille ist sowieso das einzige was für mich in Frage kommen würde und ich müsste einfach nur das Präparat wechseln. Es hat mich viel Überwindung gekostet meiner Frauenärztin die Stirn zu bieten und aktiv Alternativen zu verlangen. Davor hatte ich bereits die Kupferspirale gefunden, die sich für mich sehr passend angehört hatte. Da meine Gebärmutterwand allerdings zu dünn war, musste ich auf den Kupferball ausweichen. Dieser ist relativ neu auf dem Markt aber eben auch für jüngere Frauen ohne Kinder geeignet.

Meine Erfahrungen mit dem Kupferball

Nach mehreren Gesprächen mit meiner Ärztin entschied ich mich für den Kupferball. Das Einsetzen findet ohne Betäubung durch den Muttermund statt, jedoch habe ich vorher etwas Schmerzmittel genommen. Der Eingriff war kurz und ist mit einem starken Regelschmerz zu vergleichen. Danach wurde ich mit meiner Mama nach Hause geschickt und bereits im Auto hatte ich Kreislaufprobleme und unglaublich starke Unterleibsschmerzen. Diese verschlimmerten sich nach und nach. Natürlich hat jeder ein anderes Schmerzempfinden – ich würde meines als durchschnittlich bewerten – aber diese Schmerzen waren die bisher Schlimmsten die ich in meinem Leben bisher hatte. Ich habe die höchstmöglichste Dosierung an Schmerzmitteln genommen und konnte mich trotzdem die nächsten 4-5 Stunden nicht bewegen. Normalerweise versuche ich auf Schmerzmittel zu verzichten, aber in diesem Fall habe ich die Minuten gezählt bis ich wieder eine Tablette nehmen konnte.

Meine Intention ist es nicht, euch Angst zu machen. Allerdings hätte ich mir mehr Erfahrungsberichte gewünscht, bevor ich mich für den Kupferball entschieden habe.Am nächsten Tag war aber wieder alles gut und auch die nächsten Monate spürte ich nichts mehr von dem kleinen Fremdkörper. Ich kam also sehr gut damit klar!

Im Dezember hatte ich dann außerzyklische Blutungen und mein Hausarzt meinte, eventuell eine Zyste beim Ultraschall entdeckt zu haben. Bloß aufgrund dieser zwei Sachen zog ich meinen Frauenarzt Termin vor. Es stellte sich heraus, dass ich damit großes Glück hatte: der Kupferball hatte sich gelöst und hing sozusagen wortwörtlich am seidenen Faden. Für meine Ärztin war das bereits der achte Kupferball den sie eingesetzt hatte und der sich bereits nach ein paar Monaten wieder verabschiedet hatte. Der Schmerz, den ich mit dem Gedanken der Ruhe in den nächsten fünf Jahren ertragen hatte, war also umsonst gewesen.

Mein Weg zu NFP

Ich stand also vor dem gleichen Problem wie noch vor sechs Monaten – welche Verhütungsmethode darf’s denn diesmal sein? Zugegeben: Ich war ziemlich entmutigt und genervt. Aber so ist das oft beim Weg zur “perfekten” Verhütung. Man findet selten auf Anhieb das Richtige, man muss ausprobieren und eben auch manchmal damit klarkommen dass manche Methoden einfach nichts für einen sind. Mein neues Ziel also: eine neue Verhütungsmethode finden. Die Kriterien: ohne Hormone, ohne erneuten Eingriff und sicher sollte sie eben auch sein. Und ja, da blieb wirklich nicht allzu viel übrig! Über eine Bekannte und einige Instagrammer (zum Beispiel @generationpille – die zwei Mädels machen super tolle Arbeit!) bin ich dann mit NFP in Berührung gekommen.

Was ist NFP?

Für alle die sich jetzt denken: Hä, was soll das sein? Ausgeschrieben heißt es Natürliche Familienplanung und der Name könnte nicht unpassender sein. Zumindest für meinen Zweck. Kurz gesagt geht es darum, seine fruchtbaren und unfruchtbaren Tage zu bestimmen. Denn entgegen aller Horrorgeschichten – wir Frauen sind nicht unseren kompletten Zyklus durchgängig fruchtbar. Es bedarf nur etwas Arbeit diese Zeitfenster zu bestimmen. Bei NFP wird das mit der Basaltemperatur und entweder der Muttermund oder Zervixschleim Beobachtung gemacht. Viele Fachwörter? Ja das stimmt. NFP bedarf viel Eigenrecherche. Die Basaltemperatur ist diejenige, die du direkt morgens nach dem Aufstehen hast. Bevor du dich also angestrengt oder aufgeregt hast. Sie wird mit einem speziellen Thermometer gemessen, das auf zwei Nachkommastellen genau ist. Diese Temperatur verändert sich deinen Zyklus über und gibt somit in Kombination mit einem anderen Merkmal Auskunft, über deine derzeitige Fruchtbarkeit.

NFP hatte viele Jahre lang einen schlechten Ruf, besonders weil viele diese Methode mit der Kalendermethode verwechselten, die einfach von 28 Zyklustagen mit festen Fruchtbarkeitsfenstern ausgeht. NFP ist viel genauer und kommt bei konsequenter und regelkonformer Anwendung an den Pearl Index der Pille heran. Zur zusätzlichen Sicherheit verwenden wir den ganzen Zyklus Kondome, wobei bei NFP diese eigentlich nur in der fruchtbaren Zeit nötig wären. Ich bin jetzt in meinem sechsten Zyklus mit dieser Methode und könnte nicht glücklicher sein.

Meiner Frauenärztin sind fast die Augen rausgefallen als ich ihr davon erzählt habe, weil es natürlich nicht viele Frauen in meinem Alter gibt, die sich so eine Verhütung zutrauen. Deswegen hat sie vielleicht auch nie ein Wort über die Methode verloren, obwohl das von Anfang an am besten zu mir gepasst hätte. Aus diesem Grund verlasse ich mich immer gerne nicht nur auf eine Meinung, sondern suche mir meine Informationen von mehreren Quellen.


Tipps für das Finden deiner perfekten Methode

Was ich auf meinem Weg zu meiner Verhütung gelernt habe: probiere es aus. Selbst wenn es dann nicht das Richtige für dich ist. Aber auch: nur du selbst kannst beurteilen, welche Methode am besten zu dir passt! Deine Frauenärztin kann dir Empfehlungen und Informationen geben. Letztendlich kennt sie dich aber zu wenig, um zu entscheiden, was für dich am Geeignetsten ist. Eine weitere Sache ist auch, dass man nicht nur aus Gewohnheit bei einer Methode bleiben sollte. Vertraue auf dein Gespür und deinen Körper, denn er sagt dir, ob diese Verhütung für dich grade die richtige ist. Das kann genauso auch die Pille sein! Es geht mir nicht darum, euch zu vermitteln dass meine Methode die richtige ist. Nur weil für mich die Pille das Richtige ist, kann sie das für dich trotzdem sein.

Wie ist das bei euch? Habt ihr lange gebraucht um eure perfekte Verhütung zu finden? Oder seid ihr noch auf dem Weg zu ihr? Besucht mich auch gerne auf Instagram, dort kann ich auch noch mehr Fragen zum Kupferball und NFP beantworten.

2 Comments

  • Emilia
    März 8, 2021 at 6:24 pm

    Hi, ich bin grade auf deinen Artikel gestoßen, und obwohl der ja jetzt schon etwas älter ist, vielleicht liest du es ja noch (oder jemand anderes den es interessiert). Ich habe mit 17 Jahren die Pille ausprobiert, habe aber eine Schilddrüsenunterfunktion und oh lord das hat sich überhaupt nicht vertragen. Ich habe die Pille nicht mal 2 Monate genommen, hab in der Zeit 8 kg zugenommen, meine Haut ist förmlich explodiert (obwohl ich damit wirklich nie Probleme hatte), Libido im Keller und ständig Infektionen. Das beste war dann noch das Ausbleiben meiner Periode für sagenhafte 1,5 Jahre, was ich doch ziemlich beachtlich für nicht mal 2 Monate Pille finde. Jedenfalls habe ich mir geschworen einen riesengroßen Bogen um jegliche Hormone zu machen und mir, wegen meiner neuen Beziehung, den Kupferball Ende Januar diesen Jahres setzen lassen. Alles schön und gut bis zu meiner ersten Periode vor 2 Wochen, ich hatte mindestens 3 mal stärkere Schmerzen als sonst und eine angsteinflößende Menge an Blut. Ich dachte mir irgendwie schon, dass der Ball dem ganze Rumgekrampfe meiner Gebärmutter nicht standhält, da hat sie ganze Arbeit geleistet. Ich hab mir noch nicht wirklich was gedacht, bis ich neulich nach dem Faden getastet habe und der locker 6 mal länger als zuvor war. Morgen hab ich den Termin bei der FA, die ihn eingesetzt hat, ich hab ja immer noch die leise Hoffnung, dass er noch einigermaßen sitzt, aber nach meiner Internetrecherche zu urteilen sieht es sehr sehr düster aus. Wahrscheinlich 400€ in den Wind also, juhu. Ich schätze mir wird auch nichts anderes als NFP bleiben, da ich die Spirale als zu unsensibel für mich einschätze und meine Gebärmutterwand für die Gynefix zu dünn ist.
    Meine Frage an der Stelle wäre jetzt, verhütest du immer noch mit NFP und wenn ja, ist alles glatt gelaufen? Und wieso habt ihr den kompletten Zyklus mit Kondomen verhütet, ich meine, dann könnte man ja auch gleich gar nichts anderes machen (also außer du machst es nur wegen verbesserter Körperkenntnis etc.)? Ich freue mich auf ein Antwort von dir oder anderen, und danke schonmal Jana für den schönen Artikel, macht sehr Freude zu lesen!
    Ganz liebe Grüße aus Bayern 🙂

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    • Jana
      März 8, 2021 at 6:35 pm

      Liebe Emilia, danke für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht! Oh man, das hört sich wirklich sehr danach an, als hättest du das gleiche Problem mit dem Kupferball wie ich damals! Kleiner Tipp: Meine Frauenärztin hat mir damals empfohlen, sich bei dem Hersteller zu melden. Ich habe den Ball zurückgeschickt (meine ich zumindest) und habe anstandslos das Geld zurückbekommen. Vielleicht klappt das ja bei dir auch! Eine Spirale kam bei mir leider auch nicht infrage, da meine Gebärmutter zu klein dafür ist. Der Grund, wieso wir mit NFP und Kondomen verhüten, ist vor allem, weil ich mich dadurch sicherer fühle. Gerade ganz am Anfang habe ich noch nicht komplett auf nur das Kondom vertraut und zusätzlich war ich auch noch ziemlich jung, weshalb eine Schwangerschaft echt sehr unpassend gewesen wäre. Mittlerweile würde ich mir auch zutrauen, nur ein paar Tage im Monat mit Kondomen zu verhüten, da ich meinen Zyklus gut kennengelernt habe. Allerdings ist dieser etwas unregelmäßig, weshalb wir grade hauptsächlich mit Kondomen verhüten und ich parallel noch NFP mache. Für Frauen mit regelmäßigem Zyklus und einem geregelten Tagesablauf ist aber NFP alleine eine wirklich gute Methode! Auch für einfach dafür, den eigenen Körper besser kennenzulernen. Ich hoffe ja immer noch darauf, dass es bald eine andere Methode geben wird, weil auf Dauer mit Kondomen zu verhüten, ist leider auch nicht sooo toll. Ich hoffe auf jeden Fall für dich, dass bei dir alles gut geht und du noch eine passende Methode für dich findest!
      Liebe Grüße und alles Liebe,
      Jana

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