Nachgedacht

Erwachsenwerden

Februar 23, 2018

Ich weiß noch, wann ich das erste Mal gesiezt wurde. Es war in der Bank und ich hatte gerade mein erstes Konto eröffnet. Ich war ungefähr 15 Jahre alt und war wirklich sehr verwundert, aber auch ein wenig stolz, ein Vorgeschmack auf die grenzenlose Freiheit, die mich da draußen erwartet. Jetzt bin ich grade 17 Jahre alt und es kommt selten vor, dass mich jemand nicht siezt. Grade vorher wurde ich von einem etwa 10 Jährigen gefragt, ob ich ihm und seiner kleinen Schwester den Weg zeigen könne. Klar konnte ich das, aber bin ich wirklich schon erwachsen?

Ich habe mich grade wirklich etwas alt gefühlt. War ich nicht eben auch noch dieser kleine Junge, der darauf vertraut hat, dass die Erwachsenen schon wissen wie alles läuft? Es kommt mir vor als wäre das erst eben gewesen, besonders in solchen Situationen. Aber oft genug denke ich daran, wie toll und frei man sich fühlen muss, wenn man dann mal wirklich erwachsen ist.

Ich habe mich so lange danach gesehnt. Danach, eine eigene Wohnung zu haben, selbst entscheiden zu können und einfach frei zu sein. Aber ich wollte auch erwachsen sein, weil ich dachte, ich würde mich dann anders fühlen. Aber so ist es nicht. Ich werde in ein paar Monaten 18 und es hat sich nichts verändert. Ich warte immer noch auf diesen Knall, dieses eine Erlebnis oder was auch immer dort kommen mag, was mich endlich erwachsen macht. Aber da kommt nichts. Natürlich wachse ich. Ich wachse an meinen Erlebnissen, Aufgaben und an jedem Scheitern. Aber ich fühle mich trotzdem noch nicht erwachsen oder zumindest nicht so, wie alle sagen, dass es sich anfühlt erwachsen zu sein.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, in einem Jahr unabhängig zu sein. Es gibt noch so viele Situationen in denen ich unsicher bin, in denen ich es mir nicht zutraue selbst zu entscheiden.

 

Ich glaube aber, dass das nicht schlimm ist. Ich weiß, dass es nicht nur mir so geht, aber besonders weiß ich eine Sache: Man sagt nicht umsonst Erwachsenwerden statt Erwachsensein. Weil es nicht darum geht einen Zustand zu erreichen, sondern mehr darum, sich auf den Weg zu machen. Dieser erste Schritt auf diesem Weg ist der schwerste, aber wenn er einmal gegangen ist, dann kommt der nächste Schritt von alleine. Ob ich diesen ersten Schritt schon gemacht habe, weiß ich nicht. Aber das ist auch egal, weil ich noch nicht erwachsen werden muss. Es gibt kein Datum und kein Alter ab wann man erwachsen werden muss. Wenn ich mich dazu noch nicht bereit fühle, dann ist das okay. Und wenn du dich, egal ob mit 18, 28 oder 38 noch nicht bereit fühlst, dann ist das genauso in Ordnung.

Außerdem: Wer kann mir denn erklären was dieses “Erwachsen sein” überhaupt ist? Gibt es dafür eine Check Liste oder ist das so ein geheimer Club mit Beitrittsregeln? Ich kenne so viele Leute die selbst mit 30, 40, oder auch 50 Jahren noch nicht dahinter gekommen sind, was dieses “Erwachsen sein” bedeutet. Dann muss ich das mit meinen 17 Jahren erst recht noch nicht.

Ich bleibe gern noch ein Weilchen Kind. Dieses “Erwachsen sein” wartet noch früh genug auf mich.

 

Was ich gelernt habe: auch wenn ich jetzt äußerlich nach jemandem aussehe, der sein Leben im Griff hat, der unabhängig ist und der nur rationale und richtige Entscheidungen trifft, heißt das noch lange nicht, dass ich auch in meinem Innern so weit bin. Deswegen lasse ich mir Zeit. Und wenn du, du da draußen, dich mit deinen 17, 26, 44 oder 83 Jahren noch nicht bereit fühlst für dieses ganze Erwachsen Ding, dann ist das okay so. Denn denk dran: Für so etwas gibt es keine Deadline, kein Verfallsdatum oder einen Abgabetermin.

 

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