Politik

Geh‘ wählen!

September 19, 2017

Nein, das hier ist keine höfliche Bitte, sondern eine klare Aufforderung. Am 24. September 2017 sind Bundestagswahlen in Deutschland. Du hast vielleicht genug davon, genug von dummen Wahlsprüchen, TV Analysen und Wahlumfragen, aber all das ist mehr als wichtig. Denn du wählst nicht eins von den „dummen“ Gesichtern auf den Wahlplakaten, du wählst eine Überzeugung für die du stehst. Und diese Überzeugung die du hast, wird gehört. Selbst wenn du eine kleine Randpartei wählst, kannst du etwas bewegen. Du kannst mit zwei Kreuzen bei wichtigen politischen Entscheidungen mitbestimmen. 

In der Schule bin ich diejenige, die sich über Leute aufregt, welche bei simplen, klasseninternen Abstimmungen sich nicht melden weil „man ja nicht zu allem eine Meinung haben kann“. Passiert das bei Fragen wie Schwimmbad oder Kino, dann frage ich mich zwar trotzdem wie man dazu keine Meinung haben kann, aber immerhin sind das keine weltbewegenden Entscheidungen. Unterhalte ich mich aber mit Erwachsenen, die wahlberechtigt sind, aber nicht wählen gehen weil „sie ja da gar nicht so viel davon verstehen“, dann werde ich wirklich wütend. Wir leben das bequemste Leben überhaupt, wollen wir etwas wissen, dann reicht ein Klick und wir haben alle Informationen. Geht es aber darum, sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen, sich über die Programme einzelner Parteien zu informieren, und sich Gedanken zu machen wo man sein Kreuz setzen wird, ist man plötzlich überfordert.

Denn mittlerweile ist nicht wählen einfach nicht mehr neutral. Wie egoistisch kann man sein, zu denken dass alle anderen das ja schon schaffen, dass beispielsweise eine Afd nicht mit hoher Besetzung in den Bundestag kommt? Seit wann überlassen wir eine so wichtige Entscheidung, die uns selbst betrifft dem Zufall? Denn es geht hier nicht nur um dich. Die Entscheidung die am 24. September gefällt wird, gilt für alle, 80 Millionen Menschen wenn wir genau sind. Und darunter sind auch Leute wie ich. Ich bin 16 Jahre alt, könnte bereits eigenes Geld verdienen, Auszubildende sein und Steuern zahlen aber – ich darf nicht wählen. Ich bin zwar bereits in vielen Dingen Teil dieser „Erwachsenengesellschaft“, habe aber kein Recht in dieser mitzubestimmen. Diese Tatsache ist eigentlich ein ganz anderes Thema, über das ich einen eigenen Text schreiben könnte. Aber wenn du dein Recht das dir zusteht, nicht für deine Interessen einsetzt und mitbestimmst, dann ist beispielsweise unsere Generation, der 16 bis 20 Jährigen alles andere als gut aufgestellt. Wie soll die Politik auf unsere Wünsche und Interessen eingehen, wenn sich niemand von uns dafür einsetzt? Deswegen hast du nicht nur das Recht zu wählen, sondern auch eine Verpflichtung für die Personengruppe der du angehörst.

Ich glaube nicht, dass ich nochmal extra ansprechen muss, wie absurd es für eine Person aus einem nicht demokratischen Staat sein muss, wenn sie sieht, dass 2013 nur 72,4 % der Wahlberechtigten bei der Bundestagswahl gewählt haben. Ich glaube, ich würde wütend werden, darauf dass sich ein so etabliertes und wirtschaftlich sowie politisch gut entwickeltes Land zu faul ist, von seinen Rechten gebrauch zu machen, wenn ich selbst keines der Rechte habe. Der Bundestag nennt als Ursache „Partei- und Politikverdrossenheit“, ein Phänomen, welches wohl vor allem bei den jüngeren Wählern auftritt. Man sollte meinen, mit 18 wäre man aus der Trotz- und Ich gegen Alle-Phase heraus, aber nun gut, es kann ja tatsächlich sein, ich kann mich in keine der bestehenden Parteien wirklich einordnen. Welchen Sinn hat es dann aber, nicht zu wählen, also seine Meinung gar nicht erst kundzutun? Hier gibt es keine besorgten Eltern, die nochmal extra nachfragen wieso man denn so still ist, und was einem denn nicht passt. Wird nicht gewählt, dann gilt das als Enthalten, als würde die Meinung der restlichen 30 % gar nicht existieren. Und in der Politik gibt es keinen Kummerkasten, in dem man dann all seinen Trotz und Unmut loswerden kann. Denn: Passt dir was nicht, dann mach was dagegen. Zu schmollen wie eine 12-jährige ist hier nicht, außer du willst natürlich dass sich an der Situation nichts ändert. Dann bist du nur vielleicht etwas falsch in der Welt der Wahlberechtigten.

Denn solltest du ein Problem mit der Politik hier haben, gibt es deutlich effektivere Wege dies zu ändern und zum Ausdruck zu bringen, als sich einfach mal vor einer Wahl zu weigern. Ich schätze, wenn du so drüber nachdenkst, dann musst du dir das selber eingestehen.

Am Sonntag wirst du dich also in dein örtliches Wahlbüro bewegen und deine verdammten zwei Kreuze machen. Denn mehr ist es nicht. Eine Sache von 5 Minuten, die trotzdem eine große Wirkung zeigt. Du darfst dich bei diesen einfachen zwei Kreuzen aber ruhig etwas besonders fühlen, denn du trägst womöglich dazu bei, dass unsere Generation ihr Ruf der „Politikverdrossenheit“ nicht noch eine Bundestagswahl erhalten bleibt. Du hast die Wahl, deswegen: Geh wählen.

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