Nachgedacht

Vom Ende der Schulzeit

November 18, 2019

Das Ende meiner Schulzeit liegt jetzt etwa 5 Monate zurück und so langsam verabschiedet sich auch der Rest dieses eigentümlichen Gefühls, nur in einer ausgedehnten Version der Sommerferien zu stecken. Doch was passiert in dieser Zeit “danach”? Diese Frage stellte ich mir oft, bevor es überhaupt soweit war.

Obwohl ich mich, besonders in der Oberstufe, gut aufgehoben fühlte, sehnte ich mich doch nach etwas anderem als dem monotonen Schulalltag. Ich wollte aufbrechen in etwas Aufregendes, raus aus der Einöde des Bekannten. Diese Vorfreude auf etwas Neues hielt nicht mal so lange an, wie ich vorerst dachte. Man fängt doch selbst die Menschen an zu vermissen, mit denen man vorher nur flüchtig ein paar Worte gewechselt hatte. Denn wenn man genauer hinsieht, ist die Schule eben doch mehr, als ein reiner Bildungsort. Es ist ein Ort, an dem man täglich mit den verschiedensten Menschen zu tun hat, gezwungenermaßen eben. Doch dadurch verschwimmt die Grenze zwischen Freundschaften und Bekanntschaften. Wie viel Zeit meiner Oberstufe habe ich mit Menschen verbracht, die ich eigentlich gar nicht mochte? Einfach nur deswegen, weil es sich eben so ergeben hatte, alle Gruppenkonstellationen eben schon irgendwie vorprogrammiert waren?

Das große, leere Nichts

Jeder war mit jedem befreundet, vorne rum zuckersüße Nettigkeiten und dahinter doch das große, leere Nichts. Manche Beziehungen zu Menschen waren tatsächlich nur durch so unglaubliche Banalitäten wie das selbe Hobby oder der gleiche Wohnort begründet worden. Der tägliche Austausch von Oberflächlichkeiten gab beiden Seiten das schale Gefühl von Rückhalt, den man sich in seiner Schulzeit anzuhäufen versuchte, wie Sammelkarten. Doch eigentlich interessierten sich doch die wenigsten so wirklich füreinander. Diese lächelnde Oberflächlichkeit wurde besonders dadurch aufrecht erhalten, dass man möglichst wenig von sich Preis gab. Bei mir funktionierte das nie so richtig, alleine deshalb, weil ich durch meine “Onlinepräsenz” (so ein hochgestochenes Wort) viel mit der Welt teilte – ohne Filterung, wer meine Worte sah und wer nicht. Diese hatte ich irgendwann in meiner Schulzeit aufgegeben, nachdem mir die Meinung von anderen so ziemlich egal geworden war. In manchen Situationen der letzten Jahre fragte ich mich aber immer noch, ob das der richtige Schritt gewesen ist. Denn wenn Eines anderen Menschen Macht über dich verleiht, dann, dass sie Dinge über dich wissen, die du nicht von ihnen weißt. Und so war die Schulzeit eben auch ein Strudel aus Geflüster, Geläster und falschen Lächeln. Man dachte oft, ich würde nicht mitbekommen, was man alles so über meine Posts sprach und lachte, doch das tat ich.

Das Danach

Dieses Muster zog sich bis in unsere letzten Schulwochen. Man schwor sich mehrmals dass sich nichts ändern würde, dass alles beim Gleichen bleiben würde. Doch wie das im Leben so ist, kam natürlich alles ganz anders. Die Hoffnung auf einen Neuanfang verstreute uns alle in die entferntesten Winkel – sowohl räumlich, als eben auch gefühlsmäßig. Plötzlich war da keine Verbindung mehr, kein Grund mehr sich zu sehen. Das Band aus Oberflächlichkeiten zwischen uns, verpuffte innerhalb weniger Wochen. Zurück geblieben sind gezwungene Nachfragen auf WhatsApp, überschwängliche Versprechen sich bald mal wieder zu sehen. Kein Abschnitt in einem Leben macht einem so sehr bewusst, was einen wirklich mit Menschen verbindet, wie das Ende der Schulzeit.

Wenn sich Wege trennen

Und ja, ich vermisse die Schulzeit. Ich vermisse die vielen Gespräche mit den unterschiedlichsten Menschen. Die Hohlstunden mit Gelächter und auch die Tatsache, dass irgendwie immer jemand da war. Aber wenn ich dann überlege, welche Personen ich aus meinem damaligen Umfeld wirklich vermisse, fällt die Anzahl ziemlich gering aus. Und das ist okay so, auch wenn es eine schmerzliche Erkenntnis war. Wege trennen sich und das ist ein unaufhaltsamer Prozess, den man selbst mit aller Kraft nicht stoppen kann. Doch es bietet auch so viele Möglichkeiten. Ich kann mich jetzt mit Leuten treffen, die davor nicht in meinem Freundeskreis waren, kann meine Persönlichkeit nochmal neu erfinden, ohne auf mein altes Ich hingewiesen zu werden. Vor allem aber, kann ich aufhören, gezwungenermaßen Zeit mit Menschen zu verbringen, die mir selbst nicht gut taten. Und anfangen wieder das hier und auf Instagram und sonst hier zu teilen, was in mir vorgeht, ohne darüber nachdenken zu müssen, wie die Reaktionen in unserem Aufenthaltsraum darüber sein würden. Es fühlt sich gewissermaßen nach Befreiung an.

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